Exposé

Exposé: Wellentrup - Geschichte eines Dorfes im Blomberger Becken


Aufbauend auf den reichhaltigen Materialien der Ausstellung "Walderingdorp - Wellentrup. Mehr als 850 Jahre Dorfgeschichte" (1994) soll eine umfassende Darstellung der Geschichte des Dorfes Wellentrup von den Anfängen bis zur Eingemeindung nach Blomberg (1970) vorgelegt werden. Mehrere Autorinnen und Autoren werden vielfältige Aspekte der Dorfgeschichte aus dem Blickwinkel von Archäologie, Siedlungs- und Hausforschung, Volkskunde und Geschichte beleuchten. Über den örtlichen Rahmen hinaus sollen Bezüge zur umgebenden Siedlungskammer des Blomberger Beckens, zur lippischen und allgemeinen Geschichte sichtbar werden.

Das Buch will mit attraktiver Bebilderung (Farbfotos von Annette Fischer, Schlangen) eine allgemeinverständlich geschriebene "Dorfchronik" für alle Wellentruper sein. Zugleich präsentieren die beteiligten Autorinnen und Autoren beispielhafte Ansätze und Ergebnisse moderner dorfgeschichtlicher Forschung, die über den örtlichen Rahmen hinaus für alle heimat- und regionalgeschichtlich Interessierten von Bedeutung sind.

In einem ersten Kapitel werden die landschaftlichen und siedlungsgeschichtlichen Grundlagen des Blomberger Beckens, einer der ältesten Siedlungskammern des Lipperlandes, erläutert. Nach einer Einführung in die naturräumlichen Gegebenheiten wird Elke Treude die ältesten archäologisch faßbaren Spuren ur- und frühgeschichtlicher Besiedlung im Blomberger Raum vorstellen, die bis in die Jungsteinzeit zurückreichen.

Im Mittelpunkt des zweiten Kapitels steht die Siedlungsgeschichte des Dorfes Wellentrup von seiner Entstehung im frühen Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert. Vor dem Hintergrund der Besiedlungsgeschichte des Blomberger Beckens mit seinen charakteristischen "-trup-Orten" analysiert Heinrich Stiewe die Entwicklung von Siedlung und Flur Wellentrups auf der Grundlage der ältesten Flurkarte von 1817. Roland Linde betrachtet die mittelalterlichen Bauern des Dorfes, deren Leben von grundherrschaftlicher Abhängigkeit geprägt war. Neben den Klöstern Gehrden und Marienmünster spielten verschiedene Adelsfamilien und die lippische Landesherrschaft eine wichtige Rolle. Der Gröpperhof ist ein Beispiel für die Umwandlung eines bäuerlichen Meierhofes in ein adliges Rittergut im 16. Jahrhundert.

Das dritte Kapitel hat die sozialen Verhältnisse und das alltägliche Leben im "alten Dorf" der frühen Neuzeit zum Thema. Die Verfassung der Bauerschaft Wellentrup und ihre Sozialstruktur, die von großbäuerlichen Voll- und Halbspännern über kleinbäuerliche Kötter bis zu den landlosen Einliegern reichte, wird von Annette Hennigs beschrieben. Lebensläufe und Lebenswelten, die u.a. von alltäglichen nachbarschaftlichen Konflikten, aber auch von Kriegen und Krisenzeiten geprägt waren, werden aufgrund reichhaltigen Quellenmaterials lebendig dargestellt. Eine Fallstudie über die landesherrliche Mühle (Nicolas Rügge) und ein Überblick über den älteren Hausbau in Wellentrup (H. Stiewe) runden dieses Kapitel ab.

Das 19. und 20. Jahrhundert waren für die Landbevölkerung von vielfältigen Umbrüchen und einem durchgreifenden Strukturwandel geprägt, der bis heute andauert. Am Anfang stand die "Bauernbefreiung", das Ende der grundherrschaftlichen Abhängigkeit. Die Aufteilung der "Gemeinheiten" (gemeinschaftlichen Weideflächen des Dorfes) und die Verkoppelung (Zusammenlegung) von Ackerflächen schufen die Voraussetzungen für die heutige moderne Landwirtschaft (H.Stiewe). Mit dem "Aufruf an meines Vatterlands Bauern" des Wellentruper Bauern Ottomeyer werden demokratische Bestrebungen und Verfassungsstreit im Vorfeld der 1848er Revolution auf dem Lande sichtbar (R. Linde).

Anhand der Maschinenfabrik Ottomeyer und der Wellentruper Molkerei werden Modernisierung und Industrialisierung "auf dem Dorf" exemplarisch dargestellt (H.Stiewe). 1865 beschaffte der Wellentruper Bauer Friedrich Ottomeyer zwei englische Dampflokomobilen und eröffnete einen Lohndreschbetrieb, aus dem eine der ältesten Landmaschinenfabriken Westfalens hervorging. Nach dem Wegzug der Firma Ottomeyer (1877) entstand 1888 in der früheren Maschinenfabrik die Molkerei Wellentrup, die älteste Genossenschaftsmolkerei in Lippe. Auch die baulichen Veränderungen des 19. und 20. Jahrhundert, der "Umbau des alten Dorfes" werden ausführlich beschrieben (H.Stiewe). Dieter Zoremba schildert ausführlich die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Wandlungen im Dorf - von der Bauerschaft über die selbständige Gemeinde Wellentrup bis zur Eingemeindung in die Stadt Blomberg.

Das dörfliche Leben der letzten 100 Jahre wird in zahlreichen historischen Bildern und Erinnerungen der Wellentruper lebendig, die für die Ausstellung zusammengetragen wurden und die in dem Buch ihren gebührenden Platz finden sollen. Mit der "Teufelsgeige" beschreibt Manfrid Ehrenwerth ein traditionelles volkstümliches Musikinstrument, das zurzeit in Wellentrup eine Renaissance erlebt. Auch die vielfältigen Aktivitäten der heutigen Dorfgemeinschaft Wellentrup (Dorffeste, Bau des Dorfgemeinschaftshauses u.a.) werden dokumentiert.

Die Familien- und Besitzergeschichte aller alten Wellentruper Kolonate (Höfe und Hausstätten), die sich teilweise bis in das 15. Jahrhundert zurückverfolgen lässt, wird im fünften Kapitel (H. Stiewe) ausführlich dargestellt. Dabei werden auch die historischen Gebäude mit ihren Inschriften dokumentiert. Auch die jüngeren Stätten der Ziegler- und Handwerker sowie die nach 1945 hinzugekommenen Neubauten werden berücksichtigt.
Ein umfassender Anhang enthält Daten zu Wellentruper Bauerrichtern, Ortsvorstehern und Bürgermeistern bis 1969, den Besitzgrößen der Höfe und Stätten seit 1644, den historischen Flurnamen der Gemarkung sowie ein Quellen- und Literaturverzeichnis und ein Register.